Der Post, den ich lange zögerte zu veröffentlichen. Aber hier gibt es nun eine neue Kategorie namens Mein Senf. Heutiger Titel: Feedback.

Ich habe früher oft ein schlechtes Feedback zu meiner Person bekommen. Allerdings glaube ich, dass jeder Mensch gut auf die Welt kommt und das meiste, was ihn zu der Person macht, die er nun ist, sind seine Erfahrungen mit anderen Menschen. So weit klingt das ja schon mal ganz logisch. Und eigentlich müssten wir alle doch total super miteinander auskommen, weil wir alle wissen „Ach Mensch, der Andere ist doch nur so, weil er das und das erlebt hat oder gerade erlebt.“ Aber so einfach ist es leider nicht.
Fangen wir nochmal an: Ich habe früher oft ein schlechtes Feedback zu meiner Person bekommen. Und so sehr ich auch versuchte die Schuld von mir zu weisen, umso mehr drängte man mich in die Ecke. Mit guten Freunden habe ich böse Streitereien ausgefochten und von Fremden habe ich mich provoziert gefühlt und mit meinen Eltern habe ich tränenreiche Abende hinter mir.

Inzwischen bekomme ich häufig ein positives Feedback zu meiner Person. Bei Diskussionen, die nun viel seltener auftreten, fühle ich mich nicht mehr in die Ecke gedrängt. Meine guten Freunde sind immernoch an meiner Seite, Fremde können mir gar nichts mehr und meine Eltern werde ich nicht los, und das ist auch sehr gut so! Wie es zu dieser Veränderung kam, versuche ich nun zu erklären.

Vorwürfe zu hören ist ganz furchtbar, man will sie nicht hören und möchte dem Anderen sogar genauso viele machen. Wenn meine Freunde mir vorwarfen, ich fühlte mich schnell ausgegrenzt und unfair behandelt, wollte ich erwidern, „Ja, aber ihr macht das doch genauso.“ Und auch wenn beide Seiten vielleicht richtig lagen, so konnte ICH für MICH entscheiden, ob ich mich ausgestoßen und falsch behandelt fühlen möchte. Sie hatten Recht, keine Frage. Und ich musste es vor ihnen auch nicht zugeben, dass sie Recht hatten. Ich konnte ganz für mich allein herausfinden, warum es zu dieser Kritik kam. Warum fühlte ich mich so? Warum dachte ich, sie wollen mir etwas Böses und mich benachteiligen?
Meine Eltern waren der härteste Fall in meinem Leben, den ich zu lösen hatte. Ich komme ganz unschuldig und nichtsahnend auf die schöne, bunte Welt und vom ersten Tag an lastet eine Schuld auf mir. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich Schuld habe am Streit meiner Eltern. Ich versuchte immer alles perfekt zu machen und eine gute Tochter zu sein, aber es war nie genug um von beiden gleichermaßen geliebt zu werden. Dass ich mit meinen Gedanken nicht richtig lag, haben vielleicht meine Eltern versäumt mir beizubringen, oder vielleicht haben sie es nicht mal gewusst.
Mit Fremden bezeichne ich Menschen, die sich ein Urteil über mich anmaßen, obwohl sie mich nicht kennen, oder Menschen, die sich augenscheinlich gut mit mir verstehen, aber hinter meinem Rücken über mich herziehen. All diese Menschen können mir nichts mehr anhaben, weil ich nicht mehr auf der Suche bin, nach der Person, die ich sein möchte und die die Menschen allesamt in mir sehen sollen, sondern weil ich mich gefunden habe und die Person bin, die ich sein möchte und wem das nicht gefällt, der hat in meinem Leben auch nichts zu suchen.


Denn ja, ich bekomme ein gutes Feedback zu meiner Person, ich habe wirklich gute neue Freunde, ich habe Freunde, die seit Jahren bei mir sind, ich verstehe mich mit meinen Eltern besser denn je, und kümmere mich nicht um Menschen, die mir nichts bedeuten.

Der Grund dafür ist eigentlich simpel: Egal, um was es ging, egal, wieviel Ärger ich mit mir rumtrug und wieviel Stresssituationen ich mit anderen Menschen erlebte, ich kam immer wieder bei mir an. Immer wieder bei den Fragen: Warum fühle ich mich so und will ich mich so fühlen?
Weil ich mich selber nicht gut fand. Ich wollte immer allen gefallen, wollte beliebt sein – geliebt werden. Ich glaube, das ist zum Teil ein menschliches Bedürfnis. Ich versuchte mir Dinge an Anderen abzugucken und vermischte alles zu einer sich ständig wandelnden Persönlichkeit. Oft bekam ich schlechtes Feedback und versuchte mich neu zu formen. Inzwischen kann ich darüber lachen, aber ich werde nie vergessen, wie schwierig es war, sich endlich davon zu trennen, darüber nachzudenken, wer man eigentlich sein will. Also holte ich mir ehrliches Feedback von außen und arbeitete an mir. Ich setzte mich mit der Frage auseinander, warum ich so bin, wie ich bin. Und warum mich die Menschen so behandelt haben. Und am Ende stand immer: „Warum habe ich mir überhaupt gestattet mich so zu fühlen?“ Und als mir bewusst wurde, dass das vielleicht alles ganz anders war, als ich wahrgenommen hatte, als mir bewusst wurde, dass mich meine Freunde gern haben und Kritik äußern um mir zu helfen, dass meine Eltern mich gern hatten, aber auch nicht immer wussten, wie sie mit den Situationen im Leben umzugehen hatten, und das Fremde auch einfach die gleichen Probleme, wie ich haben, und diese vielleicht sogar zu Neid oder Missgunst oder Abneigung führten – DA FIEL EINE WAHNSINNIGE LAST VON MIR AB.

Von nun an achtete ich mehr auf mich. Tat, was mir guttat. Und mir tat es gut, wenn Harmonie in meinem Leben herrschte. Wenn ich mich über jemanden ärgerte, fragte ich mich, ob das jetzt sein muss, und ob ich das Problem nicht einfach schon bei mir beheben kann, in dem ich mich nicht mehr ärgerte. Und wenn sich jemand über mich ärgerte, atmete ich tief durch und blieb ruhig. Ich fragte mich, ob die Person gerade konstruktive, hilfreiche Kritik äußert, oder ob sie auch irgendwas umtreibt, dass man nur zwischen den Zeilen lesen konnte. Vielleicht eine Unzufriedenheit, für die das Ventil Meckerei an anderen ist. Plötzlich wurde ich empathisch und sah nicht nur meine eigene, ungerechte Welt, sondern auch die des Anderen.

Mir fehlte das Vertrauen in die Welt. Das alles gut wird, und dass man es mit mir gut meint. Als ich lernte mir zu vertrauen, dass mir gute Dinge widerfahren, weil ich mein bestes gebe, ein guter Mensch zu sein, waren plötzlich alle Dinge gut, die ich erlebte. Ich bin nach wie vor nicht perfekt, und habe viel an mir auszusetzen. Und mir passieren auch nach wie vor schlechte Sachen. Aber der Unterschied ist nun, dass ich nicht mehr denke „Das war ja mal wieder typisch für mich.“ Sondern „Diese schlechte Erfahrung kann ich nun einsortieren und beim nächsten Mal habe ich daraus gelernt.“ Denn meistens konzentrieren wir uns auf Kleinigkeiten und vergessen, die wirklich echten Tragödien, die uns eigentlich daran erinnern sollten, wie glücklich wir alle sein müssten.

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die Illustrationen sind im Rahmen einer Semesterarbeit zum Thema “Experimentelle Illustration” entstanden.



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