The /modern/ Cinderella Story.

Ein Märchen über Liebe. Und Schuhe. Vor allem aber über Schuhe.

Es war einmal ein Mädchen. Sie liebte Männer. Und die Männer liebten sie. Aber da sie Schuhe mindestens genauso liebte wie Männer, mussten die Männer ihr im Laufe der Zeit beweisen, dass sie wirklich zu ihr passten. Jeden einzelnen Mann nahm sie mit in das Schuhgeschäft ihrer Wahl. Er sollte ihr zeigen, welchen Schuh er für sie auswählen würde.

Manuel.
Sie hatte ihn schon ein paar mal in der Bahn gesehen. Er hatte diese superstylische Jacke an. Eine Mischung zwischen Jeans und Baumwolle. Hellblau schmeichelte seinen pechschwarzen Haaren. Außerdem waren seine Schuhe toll. Er hatte hellbraune Lederschuhe, die seine Fußform elegant unterstrich. Sie saßen sich eines Tages gegenüber und ihre Blicke trafen sich mehrere Male. Sie kramte nach ihrem Fahrradschlüssel, damit er realisierte, dass sie gleich aussteigen würde und somit noch schnell nach ihrer Nummer fragen könnte. Als sie aufstand und gerade gehen wollte, reichte er ihr seine Visitenkarte. Sie rief ihn tatsächlich an.
Nach zwei Monaten, als genug Dates und genug Knutschereien bereits im Protokoll vermerkt wurden, kam der alles entscheidende Tag. Welchen Schuh würde Manuel aussuchen?



Hendrik.
Er war der Frauenschwarm. Ein Mann, der die Frauen nur einmal anlächeln musste und alle waren verliebt. Sportlich gebaute Figur, blonde Haare zu braungebrannter Haut. Manchmal ein bisschen unreif, weil er sein übersteigertes Selbstbewusstsein zu oft nach außen trug. Dieser Mann konnte sie wirklich zur Weißglut bringen, in dem er mit wenig Empathie und vielen nutzlosen Worten die Aufmerksamkeit des gesamten Zugabteils auf sich zog. Aber. Er war so niedlich. Und so gutaussehend. Die anderen Frauen schreckten nicht einmal davor zurück mit ihm zu flirten, wenn das Mädchen dabei war. Und immerhin konnte man mit ihm ordentlich Squash spielen.



Marc.
Ihr erster One-Night-Stand. Gut, genau genommen war es ein Two-Date-Stand. Aber eigentlich waren seine Chancen nach diesem Sex schon fast gen Null gegangen. Und er war auch einfach zu klein. (Sowohl als auch.) Sie könnte niemals hohe Schuhe tragen, ohne größer als er zu sein. Nicht einmal die tollen Herbstboots, die auch nur einen ganz kleinen Absatz hatten. Dennoch gab sie ihm eine Chance, er war so engagiert, nahezu ehrgeizig. Sie fühlte sich allein und er schien diese Leere füllen zu wollen und zwar mit aller Kraft. Auch mit diesem Mann ging sie Schuhe kaufen.



Pepe.
Das Mädchen hatte gerade aufgegeben, den Mann ihrer Träume zu suchen. Und eigentlich hatte sie ihn auch gar nicht bemerkt, als er plötzlich vor ihr stand. Mit seinen dunklen Haaren und seinem südländischen Look sprach er sie an: “Hi, ich bin Pepe.” – “Hi Pepe.” – “Und du?” – “Ach, äh. Äh.”, dem Mädchen verschlug es die Sprache. Das Gespräch kam ins Rollen und wurde durch ein paar Drinks sehr angeregt fortgeführt. “Sag mal, Pepe, wenn ich dich jetzt fragen würde, welche Schuhe du mir kaufen würdest, weil sie am besten zu meiner Persönlichkeit passten, welche wären das?”. Er hielt kurz inne. “Ich würde dich barfuss wollen. Kein Schuh der Welt könnte dich jemals wiederspiegeln. Du bist zu schön für Schuhe.” An diesem Abend durfte er sie zum ersten Mal küssen.
Das nächste Mal, als das Mädchen Schuhe kaufen ging, war es mit ihrem Verlobten. Und zwar das Schuhpaar, welches sie an ihrer Hochzeit tragen würde. 


Alle Männer, die das Mädchen traf, entschieden sich für die falschen Schuhe. Sie suchten Schuhe aus, die sie gerne an ihr gesehen hätten – nicht eine Sekunde darauf bedacht, was IHR gefallen hätte. Schuhe, die sie schön fanden und die zu ihnen passten, NICHT ABER zum Mädchen. Aber dann, dann kam Pepe. Sie gab ihm eine Chance, zu beweisen, dass er der Richtige ist. Und er gab ihr das Gefühl, die Eine zu sein.

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