Worrying will never change the outcome.

Die Wahrheit ist: Ich habe Angst zu
scheitern. Sie bremst mich, sie steuert mich, sie nervt mich. Ich
hasse sie. Wo kommt sie eigentlich her? Und wird sie stärker, je
älter man wird? Die Angst zu versagen, jetzt noch zu zeigen, wenn
man etwas vielleicht nicht ganz so gut kann, sich präsentieren und
die Kritik der anderen ernten. Mit 25 ist man zu alt um Dinge
auszuprobieren und andere dabei zusehen zu lassen, sagt mein Kopf.
Ich habe keine Wahl, wenn ich das, was ich immer tun wollte jetzt tun
will, sagt das Herz. In den letzten Wochen und Monaten habe ich immer
wieder aufgeschrieben, wie ich mich fühle, während ich das alles
tue, was ich tue. Hier sind die Auszüge:
Ich bin heute nacht 3 mal aufgewacht.
Nur ein Gedanke in meinem Kopf: Ich muss vor anderen singen. Bisher
hat mich nur die Dusche gehört. Und vor zig Jahren… ja, da habe
ich auch schon mal ein, zwei Auftritte gehabt. Meine Eltern waren
einmal dort. Es fühlt sich wie eine Ewigkeit an. Jetzt bin ich
erwachsen. Jetzt ist alles anders. Ich stehe im Berufsleben. Ich
schreibe einen Blog. Aber hier weiß ich genau, was ich tue, habe
erprobt, herausgefunden, was ich gut kann, was ich nicht kann, wie
ich verstecken kann, was ich nicht kann, oder es einfach lasse. Wie
soll ich den Moment auf der Bühne üben? Was mache ich, wenn meine
Stimme wegbricht? Wie soll ich Nervosität verstecken? Wenn ich mich
da einfach hinstelle, auf die Bühne, wie es Millionen Menschen vor
mir auch schon getan haben, meint man doch ich sei der Meinung das
gut genug zu können, oder? Denke ich aber nicht. Im Gegenteil. Ich
weiß zwar, dass ich schön singen kann. Für mich alleine. Aber
sobald der rote Knopf leuchtet (Record), sobald jemand in der Nähe
ist, der mich hören kann, bin ich blockiert. Je kleiner und
vertrauter die Runde, desto schlimmer. Ich habe mein erstes Konzert.
Ich muss nur einen Song singen. Aber vor circa 100 Leuten. Warum?
Weil mein erster Song direkt in zwei Werbespots gelandet ist. Weil
wir etwas geschaffen haben, dass den Leuten gefällt. Was ist also
los mit mir?
Heute ist das Konzert. Ich eröffne die
Lascana-Show mit „Stand by“. Heute werde ich in meinem Leben
einen persönlichen Meilenstein setzen. Ich stelle mich der größten
Herausforderung. Ich werde zeigen, ob ich auf die Bühne gehöre.
Diesen Tag und diesen Moment werde ich nicht vergessen. In den
letzten Tagen war ich sehr angespannt. Wenn mich Leute gefragt haben,
ob ich denn schon aufgeregt sei, blieb mir kurzzeitig der Atem weg.
Aber heute morgen bin ich aufgewacht und wusste, jetzt habe ich keine
Wahl mehr. Es gibt kein zurück. Ich bin ruhig. Als wäre es meine
einzige Möglichkeit damit umgehen zu können. Als würde mein Körper
Maßnahmen ergreifen, damit ich den Tag überstehe.
Um 16 Uhr die erste Hürde: Soundcheck.
Ich nehme das Mikro in die Hand. Die anderen im Raum wissen ja nicht,
dass ich so wahnsinnig aufgeregt bin, also überlege ich mir, es
„einfach“ zu überspielen. Ich singe die ersten Zeilen und stelle
fest, dass ein Mikro auch meine leise, schüchterne Stimme darstellen
kann. Ich stelle fest, dass es gut klingt.
Um 20:15 stehe ich hinter der Bühne
neben Ruth Moschner. Ich erzähle ihr, dass es mein erster Auftritt
ist. Sie lächelt und sagt, dass ich ihn genießen soll. Die Lichter
gehen aus. „Stand by“ wird angespielt. Ich gehe singend auf die
Bühne. Ich laufe direkt zu der Stelle an der meine Freunde stehen,
sie singen alle mit, halten ihre Kameras auf mich. Ich lese in ihren
Gesichtern, dass alles gut ist. Ich singe heute für sie. Für die
Menschen, die vor der Bühne und nach der Bühne zu mir halten, die
Menschen, die mich in den Arm nehmen, wenn es gut läuft, aber auch
wenn es schlecht läuft. Die Menschen, die immer da sein werden. Ich
bin glücklich.
Nach dem Auftritt klingelt das Telefon.
Hamburg1 ruft an. Wir hätten dich und deinen Produzenten gerne als
Talkgäste in unserer Freitagabend-Show und fänden es gut, wenn du
zwei Songs performen würdest. Ich freue mich riesig und sage zu. Es
ist Montag. Der Auftritt ist Freitag. Wieviele Menschen gucken diese
Sendung eigentlich? Sind die Moderatoren nett? Stellen sie fiese
Fragen? Live? Es ist live. LIVE? Im Fernsehen?! Ich stellte mir vor,
dass an einem Freitagabend vielleicht alle unterwegs sind und keiner
den Fernseher anmacht.
Meine Eltern und meine Freunde sitzen
pünktlich um 21 Uhr vor den Bildschirmen. Ich schreibe ihnen auf
Whatsapp noch ein kurzes „HRMKHGHTZHFGFTGGLK. Es geht jetzt los.“
und das nächste Mal wenn sie etwas von mir hören ist es meine
Stimme im Fernsehen, wenn ich „Paranoid“ singe. „Guess I never
really learned to trust myself.“ fange ich an und denke noch…
Diesen Song haben wir nicht ohne Grund geschrieben. Von 100 Leuten
und einem Song zu 80.000 Leuten und zwei Songs. Ich rufe meine Eltern
an. Sie sind stolz. Ich rufe meine Freundinnen an. Sie quicken und
kreischen. Überglücklich falle ich an diesem Abend ins Bett.

Wenn ich die Auftritte im Nachhinein
auswerte, bin ich nicht ganz zufrieden. Hier bricht die Stimme weg,
hier habe ich den Text ein bisschen improvisiert. Ich bin
superkritisch. Ich bin noch nicht da wo ich sein will. Aber ich muss
eben auch bemerken, dass es normal ist aufgeregt zu sein. Dass es
normal ist, etwas ein paar Mal zu machen um es sicherer zu können.
Dass ich mir auf die Schulter klopfen darf für das, was ich bis
jetzt geschafft habe. Dass ich mal nicht so streng mit mir sein muss.
Der nächste Auftritt steht an. Teatox
möchte, dass wir alle 5 Songs zeigen. ALLE 5 SONGS. Ich rufe Simon
an. Ich kann das nicht. Ich kann das nicht. Simon sagt, ich kann und
der Vertrag sei schon unterschrieben. Ich wache wieder mitten in der
Nacht auf, schweißgebadet. „Teatox“ in meinem Kopf. Ich versuche
wieder einzuschlafen.
„Und wir sind sehr froh heute die
Hamburger Modebloggerin und Sängerin Joleena bei uns zu haben…“
… Ich hauche ein „Hallo“ ins Mikro und wir fangen mit
„Paranoid“ an. Den Song bekomme ich auch trotz Nervosität immer
gut hin. Alle klatschen, ich höre jemanden „Bravooo“ rufen. Die
Zuschauer sind mir ganz nah. Ich sehe Laura, Vicky und Tara direkt
vor mir. Sie lächeln mich an. Ich brauche ihr Feedback. Ich gebe zu,
dass ich aufgeregt bin. Denn meine Knie sind weich. Das Publikum
reagiert einfühlsam. Hört mir gespannt zu, bewegt sich zum Takt.
„Going to hell“. Ich merke, dass ich sicherer werde. Und noch ein
Song und noch ein Song. „Das war jetzt auch schon der vorletzte
Song, also kommt jetzt der letzte.“ Das Publikum lacht über meine
messerscharfe Schlussfolgerung. Auch der letzte Song läuft gut. Es
lief wirklich gut. Ich kann es nicht glauben, wieviele Tage und
Momente ich mit Unwohlsein und Angespanntheit verbracht habe. Schaffe
ich das? Habe ich die Puste? Habe ich mich genug vorbereitet? Teatox
glücklich, Stilgeflüster glücklich, Simon glücklich, meine
Freunde glücklich. Ich auch.
Nach diesen ersten Erfahrungen und der
positiven Resonanz habe ich einiges gelernt. Z.B. wieviel Zeit man
damit verbringen kann sich Sorgen zu machen, sich zu misstrauen um
sich am Ende selbst zu beweisen, dass man alles schaffen kann, wenn
man sich realistische Ziele setzt. Dass ich morgen keinen 42km
Marathon laufen kann ist klar, aber dass ich jetzt nicht mehr nachts
schweißgebadet aufwache, wenn ich weiß, ich soll meine
Herzenslieder singen und mir werden dabei Menschen zusehen, das ist
mir nun auch klar.
Ich musste mich viele Male daran
zurückerinnern, wie ich in der ersten Reihe auf Konzerten stand und
einfach nur dachte… „Ich möchte tauschen.“ und wie viele Male
ich mir Live-Auftritte von Künstlern bei Youtube angesehen habe und
dachte „Das wäre jetzt gerne ich.“. Das ist es wofür ich das
mache. Weil ich immer Musik machen wollte. Und weil mir dieses Ding
so am Herzen liegt, bin ich so nervös. Es soll schön werden. Es
soll sich gut anfühlen. Und ich lasse so viele Menschen daran
teilhaben und dabei zusehen. Auf der Bühne zeige ich die Wahrheit,
ich singe aus meiner Seele. Und was ich mir niemals vorwerfen werde
können: Dass ich es nicht gewagt habe. Ich habe mich getraut und
mich überwunden. Die Angst wird mich nicht mehr ausbremsen und
blockieren.
Jetzt ist sie endlich im Handel
verfügbar. Meine erste EP namens „Unmute“. Hier könnt ihr auf Spotify reinhören: 

Oder auf iTunes, Amazon oder eurem Lieblingsonlinehändler für Musik. 

Photos by: Pablo Heimplatz

  • 0

    Overall Score

  • Reader Rating: 0 Votes

Share

About Joleena

You May Also Like